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Was kann ein Anycubic Kobra S1 Combo wirklich?
Die Black Friday Aktionen waren mehr als attraktiv, sodass der Reiz größer war als der Verstand. Ein Anycubic Kobra S1 Combo mit ACE (Automatic Color Engine) wanderte in den Warenkorb – doch was kann das System in der Praxis wirklich leisten?
Erste Eindrücke: Druckqualität auf BambuLab-Niveau
Die Druckqualität mit dem AnyCubic Next Slicer ist beeindruckend und bewegt sich durchaus auf dem Niveau eines BambuLab-Druckers. Die Details sind sauber, die Schichthaftung stimmt, und für den Preis bekommt man solide Ergebnisse. Doch die Euphorie währte nicht lange.
Reality Check: Erste Probleme nach 35 Stunden
Nach gerade einmal 35 Stunden Druckzeit kam der erste Ausfall. Das Hotend verstopfte komplett und ließ sich nicht wieder in Betrieb nehmen. Beim Versuch, den Filamentklumpen zu entfernen, wurde das komplette Hotend aus seiner Halterung gerissen. Das Ergebnis: eine zerkratzte Buildplate und ein defektes Hotend. Nicht gerade der Start, den man sich von einem neuen Drucker erhofft.
Ein Upgrade auf ein Hotend mit gehärteter 0.4mm-Düse schuf zunächst Abhilfe und brachte den Drucker wieder zum Laufen. Die Investition lohnte sich – zumindest temporär.
Weitere Herausforderungen: Firmware-Probleme
Nach etwa 150 Betriebsstunden begannen erneut Druckabbrüche, diesmal mit dem Errorcode 10409. Dieser deutete auf lose Verkabelung hin. Die Lösung? Ein Downgrade der Firmware. Es ist ernüchternd, wenn man neuere Software-Versionen deinstallieren muss, um einen stabilen Betrieb zu gewährleisten.
Die ACE im Praxistest: Langsam und verschwenderisch
Die ACE (Automatic Color Engine) für automatische Farbwechsel klingt auf dem Papier fantastisch, enttäuscht aber in der Praxis. Sie arbeitet sehr langsam, und die Menge an verschwendetem Filament beim Farbwechsel ist schlichtweg nicht zu verantworten. Für professionelle Multimaterial-Drucke ist das System in dieser Form kaum geeignet.
Der unerwartete Vorteil: Filamentmanagement
Trotz dieser Schwächen hat die ACE für uns einen unerwarteten Nutzen: Wir können vier Rollen des gleichen Filaments einlegen – oder zweimal zwei identische Rollen – und so das Material aktiv während des Druckens trocknen und restlos aufbrauchen. Außerdem ermöglicht das System das direkte Drucken von Großspulen, was bei längeren Druckjobs praktisch ist.
Fazit: Lohnt sich der Anycubic Kobra S1 Combo?
Der Preis des Kobra S1 ist fair, keine Frage. Die Druckqualität stimmt grundsätzlich, und für Einsteiger bietet das System viel Drucker fürs Geld. Allerdings kämpft der Kobra S1 mit erheblichen Kinderkrankheiten. Die Hardware-Probleme und Firmware-Instabilitäten zeigen deutlich, dass AnyCubic hier noch Hausaufgaben zu erledigen hat.
Ein Wechsel auf eine OpenSource-Firmware wie Klipper oder Marlin bleibt wohl kaum aus, wenn man langfristig stabil drucken möchte. Wer bereit ist zu tüfteln, technische Probleme selbst zu lösen und eventuell in Upgrades zu investieren, bekommt einen günstigen Einstieg in den 3D-Druck. Wer jedoch einen „Plug-and-Play“-Drucker sucht, der einfach funktioniert, sollte sich zweimal überlegen, ob der Kobra S1 die richtige Wahl ist.


